Ein Aufschrei ging durch die Bevölkerung als publik wurde, dass das Café Scholz  schließen wird. Die einzige Großstadt Landeshauptstadt, die es zulässt, dass es kein Kaffeehaus am Rathaus gibt.

Genuss ist in pietistischen Gefilden ohnehin ein Fremdwort und so folgte in Stuttgart sofort die Diskussion, wie urban die Stadt sein darf.

Man könnte natürlich darauf hinweisen, dass es hinter dem Rathaus die Kostbar gibt und in der Markthalle noch ein 70er Jahre Schicki-Micki-Treff ist, aber mit dem Hinweis auf eben diese Locations verdeutlicht man, dass man den Zeitsprung in die Metropole verschlafen hat. Man gibt sich „solide“, was aber mit Blick auf eine limbisch, global geprägte Umwelt fatale Auswirkungen haben könnte.

Über limbisches Immobilienmarketing wird zu einem späteren Zeitpunkt zu diskutieren sein, es gilt hier auch nicht über eine provinzielle Kneipenlandschaft zu sinnieren, auch das Scholz als Melting Pot für Sekretärinnen und Killesbergureinwohner, die es tatsächlich geschafft haben, wieder lebend aus der Parfüm Gaskammer des Breuninger zu kommen, wird nicht im Mittelpunkt der Überlegungen stehen.

Der Tod des Café Scholz wäre sicherlich für sich betrachtet zu verkraften, der gesellschaftliche Stellenwert kann aus Sicht eines Großstädters ohnehin als homöopathisch eingestuft werden, er symbolisiert jedoch die Situation in Stuttgart: Die Innenstadt befindet sich im Würgegriff von zwei Großprojekten.

Von der einen Seite „würgt“ das Gerber mit New Yorkischem Touch und dem Claim „hier wächst Stuttgart zusammen“. Gemeint ist aber wohl nicht, dass das Gerber mit der Innenstadt zusammenwächst, sondern mit dem zweiten „Würger“, dem Milaneo.

Das Gerber ist ein unstuttgarterisches All-in-One Konstrukt, das Einkaufszentrum, Büros und Wohnungen beherbergt und der Stadt ein vollkommen neues Bild gibt (tbc.). Das Gerber spielt Ping Pong mit dem Milaneo, dem zweiten unstuttgarterischen Großprojekt am anderen Ende der Königstraße, mitten im S21 Kriegsgebiet. Auch hier entsteht ein „Nebenzentrum“ mit über 200 Geschäften, Hotel, Büros und Wohnungen.

Innenstadt Stuttgart

Die Frage ist, was dann mit der mittlerweile entindividualisierten Stuttgarter Innenstadt passieren wird? Wird dann der Feuerwehrübungsturm (die Stuttgarter nennen ihn Rathaus) abgerissen? Hat das Stilwerk vergebens neue Fresstempel installiert? Wird das Breuninger rechtzeitig abgerissen, um Zukunftsprojekten Platz zu machen?

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