Wie bereits dargestellt, ist Stuttgart  wohl die einzige Landeshauptstadt, die sich kein Kommunikationszentrum i.e. Kaffeehaus am Marktplatz resp. Rathausplatz leistet (kortikale Entlastung auf Rathausebene).

Stattdessen scheint die Innenstadt im „Würgegriff“ verschiedener Projekte zu sein. Das GERBER sprießt von der einen Seite und das Milaneo von der anderen Seite. Zuerst eröffnet das GERBER, welches als Innenstadtattraktion inmitten des Gerberviertels auf einer Grundstücksfläche von 14.000 m² und einem Investitionsvolumen von ca. 250 Millionen Euro entsteht. Das GERBER wird als ein wichtiger Meilenstein für die Entwicklung der südlichen Innenstadt von Stuttgart gesehen. Die Frage ist jedoch, was dann mit der (alten) Innenstadt passieren wird. Wie groß ist die Kaufkraft der Region? Wird sie groß genug sein, um das GERBER und die Innenstadt zu „ernähren“ (vom Milaneo reden wir an dieser Stelle noch nicht)?

Mischnutzung nennt man das Gerber Konzept in Fachkreisen. Es bietet auf einer Bruttogrundfläche von ca. 100.000 m² Platz für Wohnen, Einkaufen und Arbeiten. Die Innenstadtvernetzung ist dabei für die Verantwortlichen oberste Priorität. Die gesamte Gegend soll von der neuen Immobilie und der entstehenden Passantenfrequenz profitieren. Angenommener Profit-Radius: Von der Paulinenstraße über die Tübinger Straße bis hin zur der Sophienstraße und der Marienstraße. Der Leitspruch der hinter der Projekt-Idee steckt, macht deutlich, dass nicht nur ein „zusammenwachsen“ sondern auch ein „zusammen wachsen“ der Stuttgarter mit der Innenstadt angestrebt wird.

Die nächste Frage in diesem Zusammenhang: Wird die Entfernung zum Heusteigviertel dann noch größer? Tritt vielleicht der Mon-Oncle-Effekt auf, den Jaques Tatti im gleichnamigen Film so wundervoll bildhaft dargestellt hat? Intellektuelle im Zimt & Zucker oder bei Herbert´z Espressobar und die Landbevölkerung statt wie bisher in der Innenstadt jetzt dann im GERBER?

Oder aber hilft die architektonische Aufteilung des GERBER Einkaufs-, Wohn-, und Arbeitswelten, dies zu verhindern? Das Einkaufszentrum verteilt sich auf 25.000 m² und ist auf drei Ebenen und über verschiedene Eingänge zugänglich. Gestaltet werden die Innenräume des Einkaufszentrums von den Innenarchitekten Ippolito Fleitz Group und den Lichtdesignern von pfarré lighting design, die ein weltweit hohes Ansehen genießen. Die Ladenstraßen bilden dabei einen fließenden Raum, der den Eindruck einer Flaniermeile erzeugen soll. Es kann sich auf spannende Konzepte gefreut werden, die sich an den szenigen Ladenmix von Berlin Mitte anlehnen. Und wieder steht die bange Frage im Raum, ob die Innestadtbetonwüste von Stuttgart den Wettkampf gewinnen wird. Abzuwarten bleibt umgekehrt natürlich auch die Frage nach der Akzeptanz durch die schwäbische Klientel.

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